In ihrem Artikel geht Justina Metzdorf der viel diskutierten Bibelstelle aus Matthäus 23,9 nach, in der Jesus sagt: „Nennt niemanden auf Erden euren Vater“. Was auf den ersten Blick wie eine radikale Ablehnung menschlicher Autoritäten klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als tiefe theologische Aussage.
Die Autorin zeigt, wie Kirchenväter diesen Vers verstanden haben – nicht als Verbot familiärer oder respektvoller Anrede, sondern als Hinweis auf das Besondere der Gottesbeziehung. Wer Gott als „Vater“ anruft, erkennt ihn als einzige letzte Autorität an und gewinnt daraus neue Freiheit und Würde.
Zugleich hinterfragt die Aussage gesellschaftliche und kirchliche Machtstrukturen: Sie ruft dazu auf, Hierarchien nicht zu vergötzen und sich nicht von Menschen abhängig zu machen. Der Text lädt dazu ein, das christliche Menschenbild neu zu entdecken – als Ruf zur Freiheit, zur Gemeinschaft und zur Orientierung an Gott allein.
Autorin: Justina Metzdorf
Artikel in: Communio (fr) 1/2021, 41-52.
Link: « N’appelez personne votre Père sur la terre ! » – Matthieu 23, 9 et l’image chrétienne de Dieu et de l’homme | Cairn.info